MONICA BONVICINI / TOM BURR

2009 realisierten das Münchener Lenbachhaus und das Kunstmuseum Basel im Rahmen einer Kooperation die Doppelausstellung MONICA BONVINCINI / TOM BURR. Das Ziel: In der Gegenüberstellung von Arbeiten der italienischen Künstlerin und des amerikanischen Künstlers die in vielerlei Hinsicht vorhandenen Parallelen umfassend aufzuzeigen. Sowohl für Bonvicini als auch für Burr wurde ein je eigenständiger Ausstellungskatalog erarbeitet, in deren Vorworten die Verantwortlichen detailliert ihr Vorhaben beschreiben und Verknüpfungspunkte beider Künstler herausstellen:

Ein Ausstellungsprojekt, welches die Arbeiten von Monica Bonvicini und Tom Burr zusammenführt, ist weniger als arrangierte Hochzeit denn als wahlverwandtschaftliches und zeitlich begrenztes Verhältnis zu verstehen. Entstanden ist die Idee zur gemeinsamen Ausstellung durch das Interesse beider Künstler an den funktionalen Bestimmungen sozialer Räume mit ihren jeweils spezifischen psychologischen, gesellschaftlichen wie geschlechtsspezifischen Konventionen. Ohne die jeweilige Eigenheit der künstlerischen Praxis verleugnen zu wollen, die sich in unterschiedlicher Manier und unterschiedlicher medialer Umsetzung ausdrückt, finden sich darüber hinaus zwischen den Produktionen beider Künstler zahlreiche Verbindungslinien. Diese manifestieren sich weniger in formalen Ähnlichkeiten als in einer phänotypischen Nähe. Doch vor allem sind die Arbeiten durch korrespondierende Prinzipien referenzgebundener Darstellungsformen charakterisiert. Sie sprechen die gleiche institutionskritisch aufgeklärte Sprache, sie verhandeln vergleichbare Themen wie etwa die konstruktive Dekonstruktion des Minimalismus oder die latente Nähe des ästhetischen Objekts mit den Fetischen unserer Alltagswelt. Es stellt sich im Werk beider die Frage nach den subtilen Mechanismen der Macht, die sich in Architektur, Verhalten und Handeln offenbaren. Im Zentrum der Ausstellungen steht so der Gebrauch von öffentlichen und privaten Räumen als eine vom menschlichen Körper abgeleitete Vorstellung. Es wird deutlich gemacht, dass Orte und Objekte nicht einfach als neutrale Werte verstanden werden können, sondern als gesellschaftliche Konstruktionen begriffen werden müssen, an denen sich Herrschaftsverhältnisse abbilden. Im Ausstellungsraum begegnen sich die Arbeiten im gemeinsamen Bezug zur Minimal Art, und hier trennen sich die Werke durch ihre je andere formale Umsetzung sowie divergierende Bezüge hinsichtlich einer Politik des Körpers, des Geschlechts und der Geschichte. Auch bildet die Begeisterung für geradezu libidinös besetzte Oberflächen und Materialien eine Klammer, welche die Arbeitsweisen von Monica Bonvicini und Tom Burr zusammenbringt. (1)

Zunächst fand die Ausstellung vom 30. Mai bis 16. August 2009 in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München statt und wurde anschließend, in der Zeit vom 5. September 2009 bis 3. Januar 2010, im Kunstmuseum Basel, Museum für Gegenwartskunst gezeigt.

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(1) Helmut Friedel, Matthias Mühling, Bernhard Mendes Bürgi u. Nikola Dietrich. „Vorwort“. MONICA BONVICINI. Hg. v. Matthias Mühling u. Nikola Dietrich. Köln: DuMont, 2009, S. 13-14, hier: S. 13.